Für Igel, deren Nahrung überwiegend aus Insekten besteht, wird es im Spätherbst schwierig, genügend Futter zu finden. Die wechselwarmen Beutetiere sind zu dieser Zeit kaum noch aktiv. Entweder sind sie bereits verendet oder sie verbringen den Winter gut versteckt in frostgeschützten Unterschlupfen. Deshalb geht der ausgewachsene Igel in den Winterschlaf und schläft etwa von November bis März.
Was passiert beim Winterschlaf
Igel halten Winterschlaf (Torpor), der nicht mit normalem Schlaf zu verwechseln ist. Dabei reduziert der Igel seinen Stoffwechsel auf ein absolutes Minimum, der Energieverbrauch sinkt auf 1 bis 5% des normalen Wertes. Dies macht sich durch reduzierte Herzfrequenz, Atemfrequenz und Körpertemperatur bemerkbar. Um möglichst wenig Wärme abzustrahlen, rollt sich der Igel zu einer festen, starren Kugel zusammen, da diese Form die geringste Oberfläche aufweist.
Die Stärke des Rückgangs der Vitalfunktionen ist abhängig von der Umgebungstemperatur. Die Herzfrequenz, die normalerweise bei 180 Schlägen pro Minute oder auch darüber liegt, fällt im Winterschlaf auf 2 bis 20 Schläge pro Minute ab, die Atemfrequenz von normalen 40 bis 50 Atemzügen pro Minute auf 1 bis 12. Die Körpertemperatur des Igels, die normalerweise in der Größenordnung der menschlichen Körpertemperatur liegt, sinkt im Winterschlaf auf Werte von 1 °C bis 8 °C und liegt nur knapp oberhalb der Umgebungstemperatur. In den folgenden zwei Bildern sehen Sie Infrarotaufnahmen (=Wärmebildaufnahmen) zweier Igelboxen im Winterschlafquartier, welches sich auf dem Dachboden der Igelrettung Fürth befindet. Solange der Igel sich noch nicht im Winterschlaf befindet (linke Abbildung), ist die Wärmeabstrahlung seines Körpers noch deutlich an dem gelben Fleck zu erkennen. Nach Eintritt des Winterschlafes (rechte Abbildung) lässt sich anhand der Wärmebildaufnahme nicht mehr erkennen, ob hier tatsächlich ein Igel in der Box liegt oder ob die Box leer ist.


Fällt die Außentemperatur unter den Gefrierpunkt, so produziert der Igel auch im Winterschlaf kurzzeitig Wärme, um die Körpertemperatur nicht unter +1 °C sinken zu lassen, da er sonst erfrieren würde. Diese „Heizung“ kostet ihn natürlich zusätzliche Energie, die von seinen Fettreserven weggeht. Dabei kann es auch sein, dass der Igel erwacht. Wachphasen während des Winterschlafs sind normal und kein Grund, den Igel zu füttern. Allerdings steht unseren Winterschläfern immer etwas Wasser und Trockenfutter zur Verfügung, sollte einer der Igel tatsächlich Energiebedarf haben. Natürlich nicht in den Mengen, in denen Igel sonst von uns gefüttert werden, aber zur Not findet der Igel auch im Winterschlaf in unserer Obhut etwas, sollte er zwischendurch erwachen.
Für einen gesunden Winterschlaf braucht ein Igel vor allem genügend Fettreserven. Er muss vor dem Winter ausreichend fressen, damit er genug Fett anlegen kann. Die Faustregel für ein ideales Winterschlafgewicht sind 600g – 700g für einen Jung-Igel und 1.000 bis 1.500 g für einen Alt-Igel. Abhängig ist das Gewicht auch von der Region. Während des Winterschlafes frisst der Igel in der Regel nichts und lebt von seinen Reserven.
Winterschlaf im Garten
Um in unseren Gärten zu überwintern, braucht der Igel geschützte Orte wie zum Beispiel unter Sträuchern, in Hecken, unter Holzpaletten. Laub- oder Totholzhaufen, aber auch Schuppen sind ideale Winterschlafplätze. Ein spezielles Igelschlafhaus kann auch angeboten werden, meist schläft er aber in seinem natürlichen Umfeld. Laub, Gras und Moos sollten im Garten ab Herbst am besten liegen gelassen werden, damit der Igel genügend Material zum Nestbau findet.
Während des Winterschlafs darf der Igel nicht gestört werden. Aufwachen kostet sehr viel Energie und kann lebensgefährlich für das Tier sein.
Geeignete Unterschlupfe für Igel sind auf den Bildern links dargestellt.
Winterschlaf in menschlicher Obhut
Ein Igel sollte seinen Winterschlaf nur in menschlicher Obhut verbringen, wenn er verletzt oder krank ist oder zu spät im Jahr gefunden wird. Für einen gesunden Winterschlaf sollte ein Igel das oben erwähnte Gewicht auf die Waage bringen.
Wenn der Igel in den Winterschlaf geht, sollte er gesund, frei von Parasiten sein und keine Verletzungen haben. Kranke Igel sollten nicht in den Winterschlaf gehen.
Ist der Igel bereit für den Winterschlaf, kann man ihm, vorausgesetzt man hat einen Garten mit ausreichend Fläche, ein 2 x 2 Meter (oder größer) großes Gehege mit geeignetem Schlafhaus, Laub, Stroh, getrocknetem Moos als geschützten Schlafplatz einrichten. Man kann den Igel auch in einem geschützten Eck auf dem Balkon, auf der Terrasse oder in der Garage (mit Tageslichteinfall!) überwintern. Bei einem Igel in menschlicher Obhut lässt sich gut beobachten, wie er sich sein Winterquartier baut: Er zieht sich Laub und Stroh in sein Haus, um sich daraus ein Nest zu bauen. Ein erstes Anzeichen für den bevorstehenden Winterschlaf ist oft die Verweigerung von Futter.


Wenn der Igel ausgeschlafen hat, was etwa im März oder April der Fall ist, hat er etwa ein Drittel seines Körpergewichtes verloren. Nun können wir ihm helfen, sein normales Gewicht wieder zu erreichen, indem wir ihm geeignetes Futter anbieten. Auch den freilebenden Tieren sollte in Futterhäusern Futter angeboten werden, da bei einem Insektenrückgang von 80 % die Igel leider zu wenig natürliches Futter finden. Futterhäuser können fertig gekauft oder auch selbst gebaut werden – eine Bauanleitung finden Sie hier. Geeignetes Futter ist hier beschrieben.
Hat unser Schützling sein optimales Gewicht (wie vor dem Winterschlaf) erreicht und sind die Außentemperaturen in der Nacht konstant bei etwa 10 Grad oder höher, kann der Igel nach einem Gesundheitscheck in die Freiheit entlassen werden.
Sollten Sie einen Igel überwintern und Hilfe benötigen, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite.










