FAQ

Die „Frequently Asked Questions“, also die häufig gestellten Fragen, gibt es auch bei Igeln. Vielleicht ist auch Ihre Frage in der Liste enthalten. Falls nicht, können Sie natürlich gern mit uns Kontakt aufnehmen.

In Zeiten von Insektenmangel, heißen Sommern und schwindenen Lebensräumen findet der Igel immer weniger natürliche Nahrung. Diese besteht vor allem aus Laufkäfern, Kerbtieren, Larven, Raupen, Aas oder auch lebenden Babymäusen und Küken. Anders als oft angenommen machen Schnecken und Regenwürmer nur 3 bis 5 % der gesamten Nahrungsmenge aus und übertragen gefährliche Parasiten. Aus diesem Grund werden diese Tiere meist nur in der Not gefressen, wenn keine anderen Insekten verfügbar sind.

Ein Igel im Wachstum frisst in einer Nacht etwa ein Drittel bis die Hälfte des eigenen Körpergewichts. Erwachsene Igel fressen etwa 100 bis 150 g Futter. Wir empfehlen die ganzjährige Fütterung von Igeln. Zusätzlich sollte der Garten so natürlich gestaltet werden, dass es auch Insekten gibt (Totholzhaufen, Wildblumen, wilde Ecken). Zum Schutz vor fremden Mitfressern eignet sich ein Igelfutterhaus mit Rattenklappe und Labyrinthgang.

Das Futter sollte täglich gegen Abend gereicht werden. Futterreste und Häufchen sollten am nächsten Tag entfernt werden. Bitte achtet auf Hygiene!

Mehlwürmer sind als Larven der Mehlkäfer grundsätzlich nah an der natürlichen Nahrung von Igeln.

Allerdings kommt es bei manchen Igel, die hauptsächlich oder überwiegend mit Mehlwürmern gefüttert werden, nach einiger Zeit manchmal zu schwerwiegenden Lähmungserscheinungen der Hinterbeine.

Die Ursache dafür ist bislang unklar — häufig herumfliegende Gerüchte, dass bei der Verdauung Blausäure entstünde oder Vitamin B gezehrt würde, sind unbelegt und zudem auch unlogisch! Dass dieses Lähmungssyndrom jedoch mit einer überwiegenden Mehlwurmfütterung zusammen hängt, ist belegt.

Fazit: Ein gewisser Anteil an Mehlwürmern beim Igel-Zufüttern ist gut, es sollten jedoch nicht zu viele Mehlwürmer gefüttert werden.

Grundsätzlich gehören Igel zur Gruppe der Eulipotyphla (Insektenfresser) die wiederum zur übergeordneten Gruppe der Carnivoren (Fleischfresser) gehört. Igel sollten deshalb fett- und proteinreich ernährt werden. Neben Katzenfutter empfehlen wir gekochtes/gebratenes Fleisch, z. B. Hackfleisch, Hühnerschenkel, Putenhälse usw.

Warum gekocht bzw. gebraten? Wäre rohes Fleisch nicht viel artgerechter? Leider ist Fleisch aus der Tierzucht mit vielen Keimen belastet. Zu den Keimen gehören neben Salmonellen*1 auch viele MREs (multiresistente Keime). Diese findet man in großer Zahl vor allem bei der konventionellen Tierhaltung. Biofleisch oder Eier machen hier kaum einen Unterschied.

Wir können das Immunsystem von Igeln nie beurteilen. Wunden, Infektionen oder Parasitosen können die Abwehr unserer Stachler schwächen und sie anfällig für weitere Krankheiten machen. Gerade Infektionen mit Salmonellen sind möglich und oft lebensbedrohlich.

Salmonellen sollten wir hierbei gesondert betrachten. Hühner/Puten sind symptomfreie Überträger. Das heißt, sie selber erkranken nicht daran, übertragen aber den Erreger. Auch hier macht Biogeflügel, wie schon bei den MREs, keinen Unterschied.

Um unsere kleinen Gäste bestmöglich vor Krankheiten zu schützen, sollten wir also Fleisch und Eier IMMER kochen oder braten. Frostmäuse/Küken sollte man nur stabilen Tieren geben. Hier tötet das einfrieren zwar nicht zuverlässig alle Keime, reduziert sie aber deutlich.

*1) Salmonellen bei Geflügel: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_06_fleisch/ue_2009_gefluegelfleisch.htm

Ja! Futterhäuser für Igel sollten immer mindestens zwei Eingänge haben. Der Grund dafür ist, dass hungrige Igel untereinander schon mal sehr unfreundlich werden können. Sollte einmal ein (ggf. kleineres, schwächeres) Tier am Futter sitzen — und es betritt ein auf Krawall gebürsteter, großer Igel das Futterhaus, muss das schwächere Tier ausweichen (fliehen) können.

Bei nur einem Eingang säße das erste Tier aber wie in einer Falle fest. Darum ist es bei Futterhäusern wichtig, dass sie über zwei gegenüberliegende Ein-/Ausgänge verfügen — und diese zum Schutz vor Futterdieben auch als Labyrintheingänge gestaltet sind.

Auf der Seite über die Auswilderung von Igeln finden Sie oben ein Video über genau so eine Situation.

Es stimmt, Katzenfutter ist nicht die natürliche Nahrung für Igel — das wäre ein Mix aus hauptsächlich Raupen und Käfern, Engerlingen und anderen Insekten sowie andere Bestandteile in ganz geringer Menge.

Zum Zufüttern aber ist hochwertiges, getreidefreies  Katzenfutter mit hohem Fleischanteil das geeignetste, leicht zu besorgende Futter.

Entgegen landläufiger Meinung sind Schnecken keine gute Nahrung für Igel. Normalerweise würden Igel nur wenige Schnecken fressen, denn diese sind schwer verdaulich, nähren die Igel nicht ausreichend und vor allem übertragen sie gefährliche Parasiten an den Igel.

Igel brauchen als Nahrungsgrundlage Insekten. Davon gibt es leider mittlerweile zu wenige. Nur deshalb fressen sie dann aus Not Schnecken und Regenwürmer — mit schlimmen Folgen.

Eine Zufütterung hilft, den Teufelskreis zu durchbrechen. Darum ist eine Zufütterung von Igeln sinnvoll und wichtig, auch im Sommer!

Fünf Faktoren sind wichtig:

  1. Wasserquelle: Wie alle Tiere müssen auch Igel trinken. In den letzten Jahren mit den langen Trockenphasen ist es für Wildtiere immer schwieriger geworden, zuverlässige Wasserquellen zu finden.
  2. Sichere Plätze für Nester: Igel bauen ihre Schlafplätze teilweise einfach als Kuhle unter überhängenden Pflanzen. Für schlechtes Wetter und als Wurfhöhle benötigen sie aber auch gute trockene Verstecke. Die finden sie beispielsweise unter dichtem Buschwerk, unter Totholzstapeln etc.
  3. Natürliche Nahrung + Zufütterung: Käfer, Engerlinge und Raupen benötigen ihrerseits für sie verwertbare = fressbare Pflanzen. Dies sind fast nur heimischen Gewächse! An Kirschlorbeer, Schmetterlingsflieder und Co. kann keine Raupe fressen. Totholz sowie heimische Pflanzen fördern die Insektenvielfalt.
  4. Sicher gärtnern: Unter Pflanzen schlafende Igel werden sehr häufig Opfer von Gartengeräten. Vor allem Freischneider und Fadensensen (sog. Kantenschneider) fordern jedes Jahr enorm viele Opfer. Am besten ist es für Igel, wenn unter Büschen und Pflanzen gar nicht gesenst/gemäht wird. Dann bildet sich dort auch ein fruchtbarer Mulm, der Käfer & Co. Lebensraum bietet. Weitere typische Gefahren sind ungesicherte Pools/Teiche, Schächte oder Treppen etc. — und natürlich Gift! Igel fressen auch Aas und vergiften sich dadurch z.B. mit Rattengift oder Schneckenkorn.
  5. Freizügigkeit: Igel müssen wandern! Bis zu 3 km pro Nacht, manchmal sogar mehr. Darum ist es lebenswichtig für Igel, dass Gartenzäune nicht bis zum Boden reichen, sondern gute 10 cm darüber enden. Wo Zäune doch zu tief gesetzt sind, helfen beispielsweise Durchschlupfe in Form von Öffnungen im Zaun oder unterm Zaun durchgeschobene Röhren.
    Übrigens: im Englischen gibt es sogar einen hübschen Ausdruck für solche Löcher im Zaun. Man spricht hier von der sogenannten hedgehog highway, also der Igel-Autobahn.