Auf der Seite Igel gefunden – was tun? hatten wir bereits einige Anhaltspunkte dafür geliefert, wann ein Igel Hilfe braucht. Hier wollen wir Ihnen nun noch ein paar Tipps zusätzlich geben für den Fall, dass Sie einen verletzten oder kranken Igel finden und um die Zeit bis zur Aufnahme auf einer Igelstation zu überbrücken.
Welche Igel benötigen Hilfe?
Hierzu bedarf es einiger Erklärungen und Bilder, anhand derer Sie die Problematik besser erkennen können.
1: Igel mit Verletzungen
Besonders in Gärten tauchen immer wieder Igel mit Verletzungen auf. Meistens sind es Schnittverletzungen von Rasenmäher-Robotern oder Kantentrimmern, aber auch Bisswunden von Hunden sind nicht selten.


Was ist zu tun?
Bei verletzten Igeln ist schnelle Hilfe angesagt. Bitte wenden Sie sich in so einem Fall umgehend an eine Igelstation oder einen fachkundigen Tierarzt. Unbehandelte Verletzungen können sich, wie bei Menschen oder Hunden, entzünden. Bei Wildtieren bergen Verletzungen außerdem noch eine weitere Gefahr, die unter dem folgenden Punkt beschrieben ist.
2: Wundbefall mit Fliegeneiern
Fliegen sind nicht nur beim essen im Freien lästig. Für verletzte Wildtiere stellen sie eine besondere Gefahr dadurch dar, dass sie ihre Eier bevorzugt in den Wunden ablegen.
Auf den ersten Blick sehen diese für den ungeübten Blick aus wie Schorf oder eine normale Verschmutzung.


Bei genauem Hinsehen, eventuell mit einer Lupe, erkennt man aber auch als Laie die länglichen Fliegeneier, die aussehen wie kleine Reiskörner. Diese werden von der Fliege in Paketen von bis zu 150 Stück an einer Stelle abgelegt. Sie entwickeln sich binnen weniger Stunde zu Maden, die den Igel zerfressen. Blut- oder Wundgeruch lockt Schmeißfliegen magisch an!


Was ist zu tun?
Ein Befall mit Fliegeneiern oder Maden (Myiasis genannt) stellt für den Igel einen akuten, medizinischen Notfall dar und bedeutet ohne Hilfe durch den Menschen fast immer sein Todesurteil!
Betroffen sind nicht nur verletzte Igel, auch kranke / geschwächte Igel, die sich nicht mehr selbst putzen können, zählen zu den Opfern. Ebenso Igelbabys, wenn das Muttertier fehlt oder das Nest zerstört wurde. Geschlüpfte Maden sondern ein Enzym ab, die das Fleisch des Igels buchstäblich auflösen, um ihn fressen zu können.
Ein so befallener Igel muss sofort gesichert werden. Dazu setzen Sie ihn in eine hohe Box oder Karton und decken ihn fliegensicher ab, damit nicht noch mehr Fliegen ihre Eier auf ihm ablegen können. Das kann beispielsweise mit einem Handtuch erfolgen. Sie können versuchen, die Eier oder die schon geschlüpften Maden mit einer Pinzette oder Zahnbürste abzusammeln. Auf keinen Fall darf der Igel gebadet werden, da das Wasser die Eier in tiefere Schichten spült und die Rettung erschwert. Gegebenenfalls können Sie die betroffenen Stellen mit wenigen Tropfen Öl (Raps- / Sonnenblumenöl, kein Motoröl) beträufeln, das verkapselt die Maden.
Kontaktieren Sie bitte unbedingt einen igelkundigen Tierarzt oder eine Igel-Auffangstation. Maden, die bereits in den Körper eingedrungen sind, können nur mit speziellen Medikamenten und fachkundiger Hilfe entfernt werden.
3: Untergewichtige Igel / verwaiste Igelsäuglinge / unterkühlte Tiere
Untergewichtig gelten Igel, wenn sie ab Anfang November ein Gewicht von weniger als 500 Gramm auf die Waage bringen. Mit diesem Gewicht schaffen sie den Winterschlaf in der Regel nicht. Gleiches gilt für Igel, die nach Wintereinbruch bei Dauerfrost und / oder Schnee draußen herumlaufen.
Für Igelkinder / -säuglinge ohne Mutter gilt dasselbe ganzjährig, denn die Kleinsten sind natürlich als Säugetiere eine Zeitlang auf das milchgebende Muttertier angewiesen.

Ein eindeutiges Zeichen für einen unterernährten, untergewichtigen Igel ist der sogenannte Hungerknick hinter dem Kopf. Ein gesunder und wohlgenährter Igel ist oval bis kugelrund oder birnenförmig. Ein unterernährter Igel, wie auf dem Bild rechts, ist hinter dem Kopf „eingeknickt“, wenn man ihn von der Seite aus betrachtet. Ein solcher Igel braucht in jedem Fall Hilfe. Diese kann, nachdem er durch einen Tierarzt oder eine Igelstation begutachtet und für sonst gesund befunden wurde, gern bei Ihnen im heimischen Garten durch das Anbieten von Futter erfolgen. Doch muss vorab der Gesundheitszustand des Tieres überprüft werden.

Was ist zu tun?
Igel, die in diese Kategorie fallen, sind meistens auch noch unterkühlt. Wenn Sie Ihn auf die Hand setzen, erkennen Sie dies daran, dass der Igel kälter ist als die eigene Hand. Ein solcher Igel sollte aufgewärmt werden. Dazu nehmen Sie am besten eine mit lauwarmen (handwarmen) Wasser gefüllte Wärmflasche, die Sie mit einem Frottee-Handtuch umwickeln. Haben Sie keine Wärmflasche zur Hand, tun es zur Not auch zwei 0,5-Liter PET-Einwegflaschen, die Sie ebenfalls mit Wasser füllen, nebeneinander legen und mit einem Handtuch umwickeln. Legen Sie die umwickelten Wärmflaschen in einen Karton, darauf setzen Sie den Igel, den Sie danach mit einem weiteren Handtuch zudecken.
Auf keinen Fall dürfen Sie den Igel vor eine Infrarotlampe (Rotlichtlampe) setzen, da die Wärme zu extrem ist und dies den Igel austrocknet. Außerdem würde der Igel dadurch nur von oben erwärmt, er braucht die Wärme aber von unten am Bauch.
Vergessen Sie nicht, das Wasser hin und wieder zu erneuern, denn es kann Stunden dauern, bis der Igel wieder auf Temperatur gebracht wurde. Bitte bieten Sie ihm in dieser Phase kein Futter an, sonst droht ihm das Refeeding-Syndrom (Wiederauffütterungs-Syndrom). Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die auftritt, wenn einem stark unterernährten Organismus zu schnell Nahrung zugeführt wird.
Sofern Sie keine Verletzung feststellen können, lassen Sie den Igel auf der Wärmequelle zur Ruhe kommen. Erst wenn der Igel sich nicht mehr kalt anfühlt (Körpertemperatur von 36 °C) können Sie ihm eine Wasserschale und ein wenig Futter (durchgebratenes Rührei ohne Milch und Gewürze, durchgebratenes Rinderhack, Katzenfutter ohne Sauce und ohne Gelee) anbieten.
Falls Sie nicht sofort eine Igelstation oder ein Tierheim mit Igel-Abteilung erreichen, können Sie dem Igel eine Not-Unterkunft bauen: Schneiden Sie in einen Schuhkarton ein etwa 10 x 10 cm großes Loch und füllen Sie ihn mit kleingerissenen Papier-Küchentüchern oder Schnipseln von Zeitungspapier. Stellen sie diesen Karton in einen größeren Karton (ideal: 100 x 100 cm Bodenfläche, 60 cm Höhe) mit Deckel. In den größeren Karton können Sie dann die Wasser- und Futterschüssel stellen. Den kleineren Karton nutzt der Igel als Nest / Rückzugsort. Der Karton sollte in einem Raum mit Zimmertemperatur (20 °C) aufgestellt werden.
4: Zecken und Flöhe
Wie die meisten Wildtiere ist auch der Igel nicht vor dem Befall mit Zecken gefeit. Einem gesunden Igel machen Zecken in der Regel nichts aus, außer dass sie natürlich unangenehm sind und Juckreiz auslösen. Gefährlich wird es außerdem, wenn ihre Anzahl überhand nimmt.
Noch häufiger als mit Zecken ist bei Igeln der Befall mit Flöhen. Auf den folgenden zwei Bildern sehen Sie links die Menge an einem mittelstark befallenen Igel, auf der rechten Seite die eines stark befallenen Igels nach der Behandlung bei uns. Durch die Behandlung sterben die Flöhe binnen Minuten und fallen von dem Tier ab.



Was ist zu tun?
Auch wenn die Flöhe und Zecken keine unmittelbare Gefahr für den Igel darstellen, ist ein Parasitenbefall natürlich unangenehm. Und natürlich möchte man auch keinen Igel bei sich aufnehmen, auf dem es vor Flöhen nur so wimmelt, auch wenn Igel-Flöhe weder auf den Menschen, noch auf Katzen oder Hunde gehen.
Zecken kann man versuchen, mit einer Pinzette abzusammeln. Bei Flöhen sieht die Sache anders aus. Bitte verwenden Sie keinesfalls Puder, Spot-On- oder sonstige Mittel aus dem Zoohandel! Der Igel kann sogar noch Wochen später an den Folgen des Gifts versterben!
Bitte geben Sie diese Information auch an einen eventuell behandelnden Tierarzt weiter. Auf der Igelstation benutzen wir die rechts abgebildeten Mittel, die eigentlich gegen den Befall mit Läusen bei Menschen gedacht sind. Sie enthalten das Insektizid Permethrin, welches auch in den oben genannten Mitteln enthalten ist, die Sie keinesfalls verwenden sollten. Wo liegt der Unterschied? Die Antwort ist einfach: in der Dosierung! Die abgebildeten Mittel werden entweder in Sprühflaschen geliefert oder bei uns in solche umgefüllt. Ein befallener Igel wird dann bei uns mit einigen Sprühstößen aus den Flaschen besprüht, die dabei eingesetze Menge ist weniger als 1 Milliliter. Die Gebrauchsinformation empfieht hingegen bei Kindern eine Menge von 50 Millilitern pro Behandlung, bei Kindern mit längeren Haaren auch mehr. Eine solche Flasche reicht also bei einem mit Läusen oder Nissen befallenen Kind für 1 bis 2 Behandlungen, in der Igelstation behandeln wir damit mehr als 100 Igel.

Ein entsprechendes Medikament für Hunde wird in kleinen Ampullen von ca. 1 ml geliefert. Das Mittel wird dem Hund auf die Haut aufgetropft und verteilt sich über seinen Kreislauf. Man kann sagen: der Hund wird mit dem Mittel „vergiftet“, auch wenn es ihm nicht schadet, aber die Flöhe, die den „vergifteten“ Hund beißen, sterben daran. Bei unserer Behandlung der Igel wird das Mittel durch den Sprühnebel direkt auf die Flöhe verteilt. Die geringe Menge, die dabei auf der Igelhaut landet, macht dem Tier nichts aus.
Haben Sie einen Igel gefunden und vielleicht noch einen Rest der Läusemittel von der Behandlung eines Kindes übrig, so können Sie ein paar Sprühstöße auf den Igel abgeben. Auf keinen Fall aber das Mittel auftropfen!
