Richtig füttern

Igel „Kasia“ isst Katzenfutter – damals in Behandlung bei uns wegen Hautpilz

Igel sind Insektenfresser. In der Natur stehen deshalb auf ihrem Speiseplan: Laufkäfer, Larven und Raupen, Kerbtiere, Ohrwürmer, Stechmücken, Tausendfüßer, Spinnen, aber auch einmal Aas oder Eier von bodenbrütenden Vögeln.

Es ist leider ein immer wieder anzutreffender Mythos, dass Schnecken und Regenwürmer zum regulären Speiseplan der Igel gehören. Diese werden nur „in der Not“ gefressen, wenn der Igel nicht genügend andere Insekten findet.

Schnecken und Regenwürmer sind Überträger vieler Parasiten und machen den Igel krank.

Doch welches Futter sollte man einem Igel anbieten? Geeignete Nahrungsmittel für Igel sind beispielsweise:

  • Katzennassfutter ohne Zucker und mit einem Fleischanteil von mindestens 60 % (Zusammensetzung auf der Dose beachten), ohne Sauce und Gelee. Solche Futterdosen sind oft mit „Paté“ oder „Pastete“ bezeichnet. Einige Beispiele finden Sie am Ende dieser Seite.
  • Katzentrockenfutter, ebenfalls mit mindestens 60 % Fleischanteil, ohne Getreide und ohne Zucker. Trockenfutter hat vor allem bei der Fütterung außerhalb des Hauses den Vorteil, dass es im Sommer nicht so schnell verdirbt wie Nassfutter und deutlich weniger Fliegen anlockt.
  • Rührei oder Rinderhack, nicht gewürzt und gut durchgebraten (wegen Salmonellengefahr)
  • Durchgegarte Hühnerunterkeulen ohne Haut
  • Futterinsekten, Grillen, Mehlwürmer und Zophobas (Larve des Schwarzkäfers) – erhältlich in gut sortierten Tierhandlungen
  • Ein Napf mit Wasser sollte immer angeboten werden – darüber freuen sich übrigens auch andere Gartenbesucher wie Insekten und Vögel

Leider gibt es auch ungeeignete Nahrung, und leider auch bei Dingen, an die man gar nicht denkt. So bestehen Igel-Trockenfutter aus dem Handel oft aus Körnern, Bäckerei-Nebenprodukten und anderen Dingen, die der Igel nicht verdauen kann und die ihm sogar schaden. Greifen Sie deswegen lieber zu Katzentrockenfutter – siehe oben. Aber noch weitere Futter sind für Igel nicht geeignet:

  • Katzenfutter mit Gelee (Aspik) oder Sauce
  • Obst und Gemüse (Avocado ist sogar toxisch für Igel)
  • Nüsse, Getreide, Sämereien
  • Pilze (auch wenn in vielen Kinderbüchern Igel gern mit einem Pilz auf dem Rücken dargestellt werden)
  • Essensreste, gewürzte Speisen
  • Süßigkeiten
  • Milch, denn Igel sind laktoseintolerant. Die Gabe normaler Milch löst beim Igel gefährliche Durchfälle aus. (Für ganz kleine Igel gibt es spezielle Aufzuchtmilch, die aber mit der uns bekannten Kuhmilch nichts gemeinsam hat.)

Die folgenden Collagen zeigen eine Auswahl an für Igel geeignetem Katzenfutter – links Nassfutter, rechts Trockenfutter. Natürlich ist das keine vollständige Liste. Achten Sie beim Kauf vor allem auf einen hohen Fleischanteil. Weitere Hinweise finden Sie unterhalb der Collagen.

Trockenfutter für Igel sollte immer Getreide- und Zuckerfrei sein und einen hohen Fleischanteil aufweisen. Solches Futter zu finden ist leider schwieriger als es sich anhört. Wir haben bisher kein einziges Trockenfutter gefunden, welches nur aus Zutaten besteht, die ein Igel auch in der Natur fressen würde. Bitte werfen Sie deshalb einen Blick auf die Zutatenliste – die Zutaten werden immer in der Reihenfolge ihres Anteils gelistet, die hohen Anteile zuerst. Die erste Zutat sollte also Fleisch sein. Wenn hier „Bäckereierzeugnisse“ oder dergleichen steht – bitte stehen lassen.

Dies gilt auch, oder sogar besonders, für spezielles Igel-Trockenfutter, die es leider sogar im Fachhandel gibt und nicht nur im Supermarkt. Hier ein paar Auszüge der Zusammensetzungslisten von ungeeignetem Trockenfutter:

  • Zusammensetzung 1: Proteinanteil ca. 25%, Fettanteil ca. 14%, Ballaststoffe ca. 0,6%, Rest als Mineral und Feuchte. Hinweis: Enthält tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, Öle und Fette, sowie geringe Anteile von Insekten und Eierspuren.
  • Zusammensetzung 2: Protein ca. 25%, Fett ca. 14%, Kohlenhydrate geringer Anteil, Zusatzstoffe wie Kaliumsorbat und Calciumpropionat; enthält Mineralien, Vitamine sowie glykämische Bestandteile.
  • Zusammensetzung 3: Anteil an Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen ca. 23,5%, Getreide, Nüsse (z. B. Erdnüsse), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette; Weich- und Krebstiere (z. B. Garnelen) ca. 10%; Insekten (Mehlwürmer, Fliegenlarven) ca. 3%; Eier- und Eierzeugnisse ca. 3%; Mineralien; Kräuter.
  • Zusammensetzung 4: Extrudiertes Maismehl; Shrimps ca. 15%; Huhn ca. 12,4%; Rapsöl; Lupinenflocken; Haferflocken; Seidenraupenpuppen ca. 5%; Reis gepufft; Voll-Eipulver; Mehlwürmer ca. 3%; Karotten; Fisch; extrudiertes Weizenmehl; Soja.
  • Zusammensetzung 5: Getreidebasis; Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse; Insekten (2,2%); Garnelen (Weich- und Krebstiere); Pflanzliche Eiweißextrakte; Honig; Saaten.
  • Zusammensetzung 6: Getreidebasis; Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (ca. 23,4%); Weich- und Krebstiere (ca. 17%); Öle und Fette (Rapsöl ca. 9,9%; Geflügelfett ca. 2,4%); Pflanzliche Nebenerzeugnisse; Insekten (Mehlwürmer ca. 2%); Gemüse; Hefen; Inulin.

Von Vorteil jedoch ist das Zusetzen von Vitaminen:

  • …Weiterhin enthaltene Werte: Vitamin-A- und Vitamin-D3-Gehalt, Spurenelemente (Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Jod, Selen) in typischen Dosierungen.

Was Igel bevorzugt (in der Natur) fressen:

  • Insekten (z.B. Laufkäfer, Ohrwürmer, Raupen)
  • Andere Gliederfüßler (Spinnen, Tausendfüßler, Asseln)
  • Regenwürmer und Schnecken werden gefressen, aber nur, wenn es nicht genug anderes Futter gibt – sie können Parasiten übertragen!

Was Igel nicht fressen (und warum)

  • Pflanzliche Nahrung (Obst und Gemüse) – sie können dieses Futter nicht verdauen, weil ihnen die passenden Zähne fehlen.
  • Milch können Igel nicht verdauen – sie sind laktoseintolerant. Milch kann bei ihnen zu Durchfall führen und kann somit tödlich sein!

Systematische Einordnung:

  • Traditonell gelten Igel als Insektenfresser (Ordnung:
    Eulipotyphla, früher: Insectivora)
  • Ihr Gebiss mit spitzen Zähnen ist gut zum Knacken von Käferhäusern, nicht zum Mahlen von Pflanzen geeignet.

Wichtigkeit für den Garten:

  • Igel sind natürliche Schädlingsbekämpfer und helfen, Insektenpopulationen zu regulieren
  • Igel sind nachtaktiv und suchen Nahrung unter Totholz und in Hecken

Da es einen starken Rückgang von Insekten gibt, findet der Igel zu wenig davon und greift auf Schnecken und sogar Vogelfutter zurück! Daduch wird er krank.

Sein Darm verarbeitet solches Futter nicht, bzw. übertragen Regenwürmer und Schnecken gefährliche Innenparasiten, z.B Lungenwurmlarven (siehe Mikroskop-Aufnahme rechts). Bei einem hohen Befall mit diesen Innenparasiten kommt für den Igel in 85% der Fälle jede Hilfe zu spät.

Generell empfehlen wir eine ganzjährige Fütterung der Igel, um beim Nahrungsangebot zu unterstützen. Selbst unsere Igel im Winterschlaf haben immer etwas Futter bereit stehen. Wenn ein Igel aufwacht und er Energie benötigt, dann kann er sich daran bedienen. Benötigt er keine Energie lässt er das Futter einfach stehen.

Buchtipps:

  • Lisa Warnecke: Das Geheimnis der Winterschläfer. Reisen in eine verborgene Welt. ISBN: 978-3406713-28-6. Link zur Buchvorstellung beim Verlag.
  • Monika Neumeier, Carsten Schiller: Industrielles Igelfutter – für Igel geeignet? Futtermischungen auf dem Prüfstand. ISBN: 978-3940377-21-0 Leseprobe als PDF.